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Die kuriose Legende des Stierkopfes am Florentiner Dom

Autorenbild: Maja Farina
Maja Farina
16. Apr.
2 Min. Lesezeit

Florenz ist eine Stadt, die jene belohnt, die den Blick nach oben richten.


Neben ihren berühmten Monumenten und der atemberaubenden Architektur ist die Stadt voller verborgener Details, an denen viele Besucher vorbeigehen, ohne sie überhaupt zu bemerken. Eines der faszinierendsten befindet sich an der Seite des Florentiner Doms, zwischen der Via Ricasoli und der Via dei Servi: ein großer marmorner Stierkopf mit markanten Hörnern, hoch über dem Straßenniveau angebracht.


Es ist ein Detail, das ganz natürlich eine Frage aufwirft: Warum befindet sich ein Stier am Dom?


Eine mögliche Erklärung steht mit dem Bau der Kathedrale selbst in Verbindung. Während der Bauarbeiten waren Tiere wie Ochsen unverzichtbar, um schwere Steine, Marmorblöcke und andere Materialien durch die Straßen von Florenz zu transportieren. Die Skulptur könnte daher als Hommage an die Tiere gedacht gewesen sein, deren Kraft zur Entstehung eines der größten Meisterwerke der Stadt beigetragen hat.


Doch wie so oft in Florenz bietet die Legende eine weitaus unterhaltsamere Antwort.


Der lokalen Überlieferung zufolge lebte zu Beginn des 15. Jahrhunderts ein Schneider in einem Haus an der Via Ricasoli. Er war dafür bekannt, seiner Frau gegenüber äußerst misstrauisch und eifersüchtig zu sein. Schon bald machten Gerüchte die Runde, sie habe eine heimliche Affäre mit einem der Baumeister des Doms.


Als der Ehemann davon erfuhr, soll er die Angelegenheit vor das kirchliche Gericht gebracht und sowohl seine Frau als auch ihren Liebhaber angeklagt haben.


Doch damit endet die Geschichte nicht.


Der Legende nach beschloss der Baumeister, auf eine Weise zu reagieren, wie nur Florenz sie verewigen konnte: Er ließ den Stierkopf am Dom anbringen und sorgte dafür, dass er genau auf die Fenster des Schneiders ausgerichtet war.


Die Bedeutung wäre damals sofort klar gewesen. In der italienischen Tradition symbolisieren Hörner einen betrogenen Ehemann, wodurch die Skulptur zu einer dauerhaften und sehr öffentlichen Verspottung wurde.


Heute, Jahrhunderte später, ist der Stierkopf noch immer dort, blickt still auf die Straße hinab und bewahrt eine der kuriosesten Geschichten von Florenz – irgendwo zwischen Geschichte, Klatsch und Legende.

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